Luft

Im Grunde genommen fotografiert man ja mit jedem Bild, das man aufnimmt, auch Luft. Bekommt man nun aber „Luft“ als künstlerisches Thema gestellt, genügt diese Tatsache wohl nicht so ganz den Anforderungen. Wie also ein unsicht¬bares Gasgemisch auf den lichtempfindlichen Bildträger bringen?


Was bekam ich nicht alles für gute Vorschläge unterbreitet:
• Luftballons, alternativ Autoreifen (ganz oder platzend)
• Im Wind fliegende Haare bzw. Kleider
• Wirbelstürme (das war der tollkühnste Tipp)
• Wellen am Strand (ordnete ich eher bei dem Thema „Wasser“ ein)
• Töne, weil Luftschwingungen (probierte ich gar nicht erst)


Am besten gefiel mir noch die Idee mit den aufsteigenden Bläschen im Sektglas. Ihr wurde konventionell, ohne Kamera, nachgegangen.


Letztendlich entschied ich mich für Rauch. Damit war mein Problem aber noch lange nicht gelöst. Wie erzeugt man fotogenen Rauch? Er sollte zart und aussagestark vor dem Betrachter stehen. Sollte leichteste Luftbewegungen sichtbar machen. Brennende Heuballen schieden also aus und Räucherstäbchen qualmten nicht im Entferntesten so stark wie ich sie in unguter Erinnerung hatte. Raucher werden in meinem Umfeld immer seltener und die wenigen verbliebenen wollte ich nicht durch stundenlanges Paffen vor der Kamera vorzeitig verlieren.


Wie ich das Problem letztendlich löste, soll bitte mein Geheimnis bleiben. Um sich der Betrachtung der Bilder hingeben zu können, ist dies auch nicht maßgebend.


Ein zweites Problem konnte ich nicht lösen sondern nur akzeptieren: die Tiefenschärfe. Trotz weit abgeblendeter Optik lösten sich ganze Partien des erzeugten Rauches in Unschärfe auf. Irgendwann begriff ich aber, dass genau diese Erscheinung das Wesen der Luft ist: sie verwirbelt den Rauch, löst ihn auf und entzieht ihn somit der Wahrnehmung des Betrachters.



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